Rosellas

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Rosellas

oder – Vögel, die zu laut sind -

Eines abends rief meine Frau mich ans Telefon und flüsterte mir zu, daß da wieder die Familie sei, die ihre Vögel abgeben wolle. Die Anruferin berichtete mir, daß sie vor einem Jahr ein paar „bunte Sittiche“ in einer Tierhandlung erworben habe, die sie nun schweren Herzens abgeben müsse, um ihre Wohnung nicht zu verlieren. Der Hauseigentümer habe ihr mit der Kündigung gedroht,da sich die Nachbarschaft durch das „Geschrei“ der Tiere gestört fühle. Da die Frau die Vögel eventuell in die Natur entlassen hätte, entschloß ich mich, die Tiere in einer gerade leerstehende Voliere aufzunehmen.Es stellte sich heraus, daß die „bunten Sittiche“ ein Paar Rosellas (Platycercus eximius) waren. Dieser Rosellas sind, wie alle Arten der Gattung Platycercus (Plattschweifsittiche), wegen ihrer Größe, ihres Verhalten und ihrer Bewegungs und Flugbedürfnisse für die Käfighaltung absolut ungeeignet und der Händler hätte sie in solche Haltemöglichkeit erst gar nicht verkaufen dürfen. Alle diese Arten sollten paarweise in möglichst großen Volieren untergebracht werden. Sie sind recht unverträglich und selbst bei Alleinhaltung der Paare kommt es zwischen den Partnern häufig zu ernsthaften Streitigkeiten.

Wie oft lies man in Anzeigenblättern und Zeitungsannoncen: „Gebe meine Sittiche ab wegen der Nachbarschaft“ ! Das war für mich Anlaß, meine Erfahrungen mit verschiedenen Sitticharten und lauten Stimmen niederzuschreiben.

Als ich vor vielen Jahren meine Begeisterung für Sittiche entdeckte und ein Vogelhaus mit Volieren erstellte war mir klar, daß ich nur Vögel mit leiser Stimme erwerben wollte und zwar sowohl wegen der Nachbarschaft als auch im eigenen Interesse. Nachdem ich mich seinerzeit mit Fachliteratur eindeckt hatte, mußte ich aber feststellen, daß die Autoren das Thema „Lautäußerungen“ bei ihren sonst recht ausführlichen Beschreibungen nur spärlich oder überhaupt nicht abhandelten. Auch auf Vogelausstellungen kann man sich oft kein Bild über die zu erwartende „Geräuschkulisse“ seiner Wunschtiere machen, da viele Sittiche erst ihr volles Stimmvolumen entfalten, wenn sie sich länger eingelebt haben oder gar erst, wenn sie beginnen zu balzen.

Manche Züchter scheinen auch eine recht unkritische Einstellung zur Stimmentfaltung ihrer Lieblinge zu haben. Ein solcher Züchter überließ mir einmal in meiner Anfangszeit als Sittichhalter ein Paar Nymphensittiche mit der Versicherung, diese Vögel seien „total leise“ Als schon am dritten Tag nach dem Einsetzen der Tiere mein Nachbar mich stirnrunzelnd darauf ansprach, daß er und seine Familie dank meiner Neuerwerbung nun auch sonntags bereits um halb sechs wach werden, gab ich meine Nymphensittiche schnell wieder ab. Nach eingehender Information und Gespräche im Vogelverein, (ORNITHEA Verein der Vogelfreunde Porz 1961 e.V.) habe ich mich dann zur Haltung von Neophemenarten wie: Glanzsittich, Schönsittich, Feinsittich, Schmucksittich und dem Bourkesittich entschieden und nie mehr Beschwerden vom Nachbarn erfahren. Alle diese Arten sind recht leise und friedfertig, müssen aber auch überwiegend paarweise separat gehalten werden.

Später und mit zunehmender Kenntnis, habe ich – um auch einmal lautere Vögel halten zu können – im meines Vogelhauses spezielle Volieren gebaut und diese mit Lärmschutzfenstern ausgestattet. So ist es heute möglich auch einmal heimatlose Rosellasittiche zu beherbergen, auf die ich hier nun weiter eingehen möchte.

Allgemeines: Der Rosellasittich wurde von Philipps 1789 und White 1790 auf ihren Reisen durch Ostaustralien und Queensland entdeckt und von Show beschrieben. Die Namensgebung erfolgte 1911 durch G.M. Mathews. Lebensraum: Ursprünglich stammt der Rosella aus den offenen Savannengebieten von Queensland, als Kulturfolger lebt er aber in städtischen Parkanlagen und auf bewirtschafteten Flächen und breitet sich durch die großflächigen Rodungen zur Schaffung von Viehweiden territorial immer weiter aus und besiedelt heute große Teile des australischen Südostens von Queensland über Neusüdwales bis Victoria. Eine der drei Unterarten des Rosellas. Und zwar der Prachtrosella (Platycercus e. diemensis) ist in Tasmanien beheimatet. Die beiden anderen Unterarten, einmal der bekannte Blasskopfrosella (P.e. palliceps) bewohnen Teilgebiete von Nordqweensland über die Kap- York- Halbinsel bis Neusüdwales.

Beschreibung : Der Rosella wird etwa 30 cm bis 33 cm groß. Die Farbe des Gefieders sind wegen ihrer Vielfältigkeit kaum genau zu beschreiben, im wesentlichen sind Kopf, Hals, Brust und Unterschwanzdecken beim Männchen scharlachrot, Wangenflecken weiß Rücken- und Flügelfedern schwarz mit gelben Säumen, der Bauch grünlichgelb, verschiedene Blautöne, hellgrüne, Partien mit weißen Abzeichen vervollständigen das überaus farbige Erscheinungsbild des „bunten Sittichs“. Weibchen sind in allen Farbnuancierungen blasser ausgeprägt. Der Schwanz des Rosellas ist wie bei allen Plattschweifsittichen recht breit.

Lautäußerung: Der Kontaktruf des Rosellas ist ein meist dreifaches hohes „Tschuit“, während des Fluges wird oft ein sehr hoher Ruf hörbar der wie „pinkpink“ klingt, Alarmschreie sind sehr laut und schrill ausgestoßene metallischklingende Schreie in sehr hoher Tonlage, die für menschliche Ohren äußerst nervend sind.

Ernährung: Im Freileben nehmen Rosellas jede Art von Gras- und Getreidesamen in jedem Reifezustand zu sich, auch Obst und Beeren- Früchte, dazu nicht unerhebliche Mengen an Insekten, Raupen und Käfer.

Die Verfütterung animalischer Kost wird bei der Volierenhaltung aus Unkenntnis häufig unterlassen. Bei mir erhalten die Rosellas eine hochwertige Mischung für Wellensittiche, Kolbenhirse, geschälten Hafer, etwas Negersaat, Hanfkörner, Möhren und Apfel täglich, viel Grünfutter (Vogelmiere, Kreuzkraut und Löwenzahn), auch Zweige zum benagen der Rinde. An Insektenkost müssen Volierenvögel langsam gewöhnt werden.

Zucht: Über die Zucht der Rosellas kann ich aus eigener Erfahrung noch nichts berichten, da das aufgenommene Paar bei mir noch nicht gebrütet hat. Meine Kenntnisse darüber habe ich aus Gesprächen mit Vereinskollegen und aus Fachbüchern. Daher gestatte ich mir, aus dem Buch des Ulmerverlages „Großsittiche“ von Kolar / Spitzer, das entsprechende Kapitel zu zitieren: „Erstzucht 1863 in Barcelona. Balzbeginn im zeitigen Frühjahr. Zeitweise Fütterung des Weibchens durch das Männchen, welches dieses manchmal mit zirpenden Rufen anbettelt. Ab Brutbeginn wird das Weibchen fast ausschließlich vom Partner gefüttert. Meist 5 – 7 Eier, Eiablage in 48 Stundenintervallen, Brutbeginn etwa ab dem dritten Ei, Brutdauer 18 – 20 Tage. Anfänglich verläßt das Weibchen öfters das Nest, gegen Ende der Brutzeit kommt es nur morgens und abends kurz heraus. Sind die Jungen zwei Wochen alt, werden sie direkt vom Männchen gefüttert. Das Weibchen hält sich jetzt nur noch bei kaltem Wetter und nachts im Nest auf. Auch 10 jährige Vögel erwiesen sich noch als zuchttauglich. Die Nestlingsdauer beträgt zirka 4 Wochen. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch einige Zeit von den Eltern gefüttert, sind sie selbständig, müssen sie von den Eltern getrennt werden.

Mischlinge: Kreuzungen des Rosellas sind mit allen Arten des Gattung Platycercus möglich, darüber hinaus sind Mischlinge mit Schild-, Barnard-, Fragen-, Rotkappen-, Gelbsteiß-, Sing- und sogar Nymphensittich bekannt geworden. Diese oft planlosen und immer sinnlosen Vermischungen in alle möglichen Kombinationen haben leider dazu geführt, daß von den vielen genannten Arten

kaum noch reinerbige Tiere in den Beständen vorhanden sind und die meisten der Züchter haben noch nie wirklich „echte“ Rosellas zu Gesicht bekommen, was den meisten wohl gar nicht bewußt ist.

Eines aber haben auch alle diese „Zuchtprodukte“ gemeinsam, sie sind sehr laut, für die meisten Menschen, die Nachbarn haben, - zu laut – und so kommt es immer einmal wieder zu Anrufen, in denen genervte Zeitgenossen einem dringend „bunte Sittich“ schenken

wollen, meist mitsamt den völlig ungeeigneten Käfigen.

 

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