Der Bourkesittich (Neopsephotus bourkii )

Bourkesittich

Der Bourkesittich stellt im Nomonklatursystem lt. Wolters, mit nur einer Art ( keine Unterarten ) die Gattung Nopsephotus und ist damit eine der beiden Gattungen der Grassittiche (Neopsephotus). Er ist im Inneren Australien, vom südwestlichen Queensland und dem westlichen Neusüdwales bis zum nördlichen Südaustralien und dem mittleren Westaustralien beheimatet. Der Bourkesittich wurde 1835 in Neusüdwales von Thomas L. Mitchell entdeckt und nach dem damaligen Gouverneur, Sir Richard Bourke, benannt. Bereits 1867 wurde er in Europa (London ) eingeführt und 1877 in Belgien erstmals gezüchtet.        
Die Freilandpopulation des Bourkestittich galt als nahezu ausgestorben und wurde deshalb 1958 in die “Rote Liste für gefährdete Tierarten” aufgenommen. Die Lebensräume des Bourkesittichs sind von Menschen fast unbewohnte und trockene Gebiete, wo sie sich tagsüber in den wenigen belaubten Bäumen aufhalten, während sie morgens und in den Abendstunden auf Nahrungssuche gehen und zwar - nach dem Vogelkundler Rutgers- in den Akazien und auf dem Boden, wo sie Gras- und Wildkräutersamen finden. Auch in den Volieren sind sie abends, wenn schon die meisten anderen Vögel ihre Schlafplätze aufgesucht haben, noch recht lebhaft.

Beschreibung: Oberseite fahlbraun, Flügelunterseite hellblau, zu den grossen Federn hin dunkelgrau, Schwanzfedern- Oberseite braun, Stirn hellblau, Kehle und Wangenfedern braun, Brust rosarot zum Bauch stärker rosa (deshalb bisweilen auch Rosenbauchsittich genannt). Das Weibchen ist im allgemeinen kleiner als das 19 cm grosse Männchen, sowie am Stirnband und Unterseite etwas blasser, manchmal fehlt ihm das Stirnband ganz. Die Geschlechtsbestimmungen nach äußeren Merkmale ist nicht immer ganz einfach, besonders bei jüngeren Tieren.

Stimme: Ein leiser angenehmer Gesang, der meistens in den Morgen- und Abendstunden ertönt.

Haltung : Seit 20 Jahren halte ich Bourkesittiche in Volieren. Einige Exemplare wurden dabei bis 15 Jahre alt, eines meiner Zuchtpaare ist heute schon 10 Jahre alt und die Befruchtung ist immer noch einwandfrei. In einer grossen Voliere werden von mir z. Zt. drei Zuchtpaare auch während der Brutzeit gemeinsam gehalten, ohne dass es zu ernsthaften Streitereien kommt. Andere Sittiche sollte man nicht mit Bourkesittichen vergesellschaften, sie können während der Brut und Aufzuchtperiode zu diesen unverträglich sein. Meine Voliere liegt sehr geschützt, für partielle Schattierung im Sommer ist unbedingt zu sorgen.

Futter : Das Hauptfutter für die Bourkesittiche besteht bei mir aus einem guten Gemischt wie es auch für Wellensittiche abgeboten wird. Kolbenhirse und einem speziellen Neophemenfutter der Firma Witte Molen B.V. Gekeimtes Futter wird täglich gereicht, es besteht aus Sonnenblumenkernen, Hafer und Hirsearten. Wem diese Art der Zubereitung des Aufzuchtfutters zu aufwändig ist, kann dieses durch die Matzinger Hundeflocken ohne Fleisch ersetzen. Während der Aufzucht der Jungen, wird bei mir sehr viel Grünfutter; wie Löwenzahn und Vogelmiere gereicht.

Zucht: Bourkesittiche sind gute Brütvögel, die bei richtiger Ernährung und Unterbringung, problemlos brüten und ihre Jungen sicher aufziehen. Angepasst an unsere Jahreszeiten beginnt das Männchen im Frühjahr bei warmen Wetter mit der Balz. Bei den dann leicht ausgestellten Flügeln, kommt deren Blau besonders gut zur Geltung. Mit Kopfnicken und Verbeugungen umtanzt das Männchen sein Weibchen. Anschiessend gibt er Futter aus seinem Kropf an das Weibchen weiter In diesem Stadium zeigen die Tiere reges Interesse an einem Nistkasten, der bei mir die Fläche von 17 x 19 cm, bei 25 cm Höhe hat, mit einem Schlupfloch von 6 cm Durchmesser. In den Kasten gebe ich eine Lage Sägemehl. Etwa 14 Tage nach Annahme des Nistkastens beginnt das Weibchen mit der Eiablage. Im Abstand von zwei Tagen werden die Eier gelegt, in der Regel ca. vier bis sechs Stück. Nach der Ablage des ersten Eies brütet das Weibchen fest und kommt nur für kurze Momente heraus um sich zu entleeren und vom Männchen füttern zu lassen.

Nach einer Brutzeit von 17 bis 19 Tagen schlüpfen die Jungen im Rhythmus des Legeabstandes. In den ersten Lebenstagen der Küken füttert das Männchen verstärkt das Weibchen, welches wiederum das Futter an die Jungen weitergibt. Nach einer gewissen Zeit füttert das Männchen dann die Jungen direkt. Nestkontrollen werden nie übelgenommen, sind aber unbedingt notwendig, denn wenn viele Junge im Nistkasten sind, muss dieser zwischendurch gesäubert werden. Die Entwicklung der Nestlinge geht rasch vonstatten. Nach einer etwa vierwöchigen Nestlingszeit verlassen die Jungtiere den Nistkasten und werden dann noch mehrere Wochen durch das Männchen gefüttert. Bald darauf sollte man sie von den Eltern trennen, zumal sich meistens das Weibchen schon zur nächsten Brut anschickt bzw. bereits damit begonnen hat.

Mutationen : Als in den sechziger Jahren die ersten Farbmutationen in den Bourksittichzuchten auftauchten, war das Interesse der Züchter an diesen Vögeln gross, viele wollten sie haben. Ich persönlich halte von gezielten Mutationszuchten wenig, meiner Meinung nach sollten diese auf sehr wenige Arten beschränkt werden, um den Fortbestand der Naturformen in Menschenhand nicht zu gefährden. Die erste Farbmutation in der Bourkesittichzucht, waren die sogenannten “ Falben”  (gelbliche Phase). Durch eine merkliche Gefiederaufhellung und rötliche Augen unterschieden sie sich auffällig von den Normalfarbenen. Nach der Mutation zu den Falben war es nur ein kleiner Schritt zu den Zimtfarbenen. Die sogenannten “Zimter” unterscheiden sich von der Wildform durch helleres Gefieder wobei Augen und Beine rötlichbraun sind.

In den achtziger Jahren entstanden, vermutlich in Holland, die ersten Rosa - Bourkesittiche. Diese Farbmutation ist für manche recht ansprechend und wird darum sehr häufig gehalten und gezüchtet. Wie bei allen leicht zu erzüchtenden Farbmutationen besteht auch bei den Bourkesittichen die Gefahr, dass es in absehbarer Zeit dadurch keine “ Normalen” in Menschenobhut mehr geben wird. Für eine Vogelkart die ihrem natürlichen Habitat fast ausgestorben ist, eine äußerst bedauerliche Situation, lassen wir es doch nicht dazu kommen, es liegt in unsere Hand.

Eine andere Gefahr und zwar die der Verbastardierung mit andern Arten besteht für den Bourkesittich kaum, da seine Gattung (Neopsephotus) ja nur aus einer Art besteht und die häufig gehaltenen Glanz-. Schön-. und Schmucksittiche, zwar zur selben Unterfamilie aber zu einer andere Gattung (Neophema) gehören. Mischlinge zwischen diesen Gattungen gibt es meines Wissens noch nicht und hoffentlich wird dies so bleiben.

Eure Vogelfreund Heinz - Ferdi    

 

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